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Neuer Verwaltungsratsvorsitzender besucht Einrichtungen des Lebenshilfewerkes

Datum/Zeit: 24.10.2016
zuständig: Lebenshilfewerk

Dautphetal/Marburg Ein knappes halbes Jahr ist es her, dass Bernd Schmidt den Vorsitz im Verwaltungsrat des Lebenshilfewerkes Marburg-Biedenkopf von seinem Vorgänger Jakob Müller übernommen hat. Nun hat er sich in den verschiedenen Einrichtungen umgeschaut und dabei erfahren, wie vielfältig die Arbeit der Lebenshilfe ist. „Als Hinterländer kennt man ja meistens nur die Werkstätten und Wohnhäuser in Dautphe und vielleicht noch die Angebote in Gladenbach und Bad Endbach“, gibt er zu. Dabei habe das Lebenshilfewerk so viel mehr zu bieten. So befindet sich in Marburg beispielsweise die Keimzelle des bundesweiten Konzepts des betreuten Wohnens, wie Vorstandsmitglied Horst Viehl bei dem Rundgang durch die Einrichtungen verdeutlichte. Hier steht nämlich das älteste Wohnhaus der Lebenshilfe bundesweit. Im kommenden Jahr besteht das Haus in der Schwangasse seit einem halben Jahrhundert, was dann auch mit einem entsprechenden Fest gefeiert werden soll. Mittlerweile verfügt das Lebenshilfewerk im Landkreis über acht stationäre Wohnhäuser und eine Vielzahl angemieteter Objekte, in denen ebenfalls Menschen mit Behinderung untergebracht sind. „Viele Vermieter vermieten eben lieber an eine Organisation wie die Lebenshilfe, als an die Betroffenen oder deren Familien selbst“, erklärte Viehl. Doch nicht nur im Bereich der Wohnraumfürsorge ist die Lebenshilfe tätig. Sie will Menschen mit Behinderung auch allgemein die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen – und dazu gehört eben auch, ihnen Arbeitsplätze zu bieten. Das geschieht keineswegs nur in den Lahn- und Hinterländer Werkstätten, sondern ebenso in mehreren Außenarbeitsplätzen, die zum Teil auch bei anderen Firmen angesiedelt sind. Dazu gehören zum Beispiel auch die Lebensmittelläden, von denen die Lebenshilfe mittlerweile drei in Marburg betreibt. Neben dem am Ortenberg und in Michelbach ist erst im September ein neuer im Stadtwald eröffnet worden, wie Vorstandsmitglied Roland Wagner erzählt. Dabei arbeitet die Lebenshilfe mit der Supermarkt-Kette tegut zusammen, die mit diesem Kooperationskonzept in die Breite gehen und auch wieder kleine Läden in den Dörfern etablieren will. Der Laden im Stadtwald biete dabei ein umfassendes Sortiment von bis 5000 Artikeln, erklärt Wagner. Für den täglichen Bedarf sei das vollkommen ausreichend. Das Konzept der Marburger Läden hätte eigentlich schon längst im Hinterland angewendet werden sollen, gibt er zu. Im Gespräch war nämlich ein Lebensmittelladen in Buchenau. Über die Konditionen war man sich sogar schon einig. Die Umsetzung scheiterte dann aber an den zu hohen Investitionskosten für das geplante Gebäude. Der Rundgang durch die verschiedenen Einrichtungen der Lebenshilfe hätten ihm jedenfalls wichtige Einblicke beschert, die ihm vorher so gar nicht bewusst gewesen seien, betonte Bernd Schmidt. Und noch etwas habe er dabei noch einmal deutlich gesehen: „Inklusion funktioniert dort,wo nicht darüber gesprochen wird.“ Denn da werde sie wie selbstverständlich praktiziert und gelebt, ohne dass viel Aufsehens darum gemacht wird. (val)

Quelle: Hinterländer Anzeiger vom 20.10.2016 Hier geht zum Hinterländer Anzeiger
Text und Foto: Sascha Valentin

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